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Parthenogenese
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Die Parthenogenese (altgriechisch ĎÎąĎθξνογÎνξĎÎšĎ parthenogĂŠnesis, von ĎÎąĎθÎÎ˝ÎżĎ parthĂŠnos âJungfrauâ und ÎłÎνξĎÎšĎ gĂŠnesis âGeburtâ, âEntstehungâ), auch Jungfernzeugung oder Jungferngeburt genannt, ist eine Form der eingeschlechtlichen Fortpflanzung. Dabei entstehen die Nachkommen aus einzelnen unbefruchteten Eizellen. Das Phänomen ist zum ersten Mal im 18. Jahrhundert von dem Genfer Biologen und Philosophen der Aufklärung Charles Bonnet beschrieben worden.
Manche Pflanzen und weibliche Tiere wie z. B. Blattläusecite-ref-1[1] und WasserflĂśhe, aber auch manche Fisch- und Eidechsenarten, Schnecken sowie die Blumentopfschlange kĂśnnen sich eingeschlechtlich fortpflanzen. Solche âunisexuelle Fortpflanzungâ geschieht ohne Befruchtung von einem männlichen Artgenossen: Durch bestimmte Hormone wird der unbefruchteten Eizelle eine Befruchtungssituation vorgespielt, worauf diese sich zu teilen beginnt und zu einem Organismus heranreift.
Der Parthenogenese kann entweder eine Meiose mit Eizellenbildung vorausgehen oder sie kann direkt Ăźber diploide Keimbahnzellen ablaufen. Bei letzterer findet keine Rekombination der Gene statt und die entstandenen Nachkommen sind Klone ihrer Mutter. Es werden also nur noch Weibchen geboren.
Contents
⢠Vorkommen
⢠Abgrenzung
⢠Literatur
⢠Siehe auch
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Vorkommen
Parthenogenese wird nach derzeitigem Wissensstand fßr HÜhere Säugetiere und Beuteltiere als schwierig bis unmÜglich angesehen. Grund hierfßr ist das sogenannte Imprinting, welches es wahrscheinlich unumgänglich macht, dass fßr die vollständige Entwicklung eines Embryos je ein männlicher und ein weiblicher Chromosomensatz zur Verfßgung steht. Es wird jedoch daran geforscht, menschliche Stammzelllinien aus unbefruchteten Eizellen zu gewinnen.
Im Jahr 1896 war es Richard Hertwig gelungen, das Seeigel-Ei mit Strychnin kĂźnstlich zur Entwicklung (Parthenogenese) anzuregen.cite-ref-2[2] Bisher nachgewiesen wurde Parthenogenese, die auf natĂźrliche Weise zu voll entwickelten Organismen fĂźhrt, bei vielen Tierarten, unter anderem bei:
⢠Rädertierchen (Rotatoria, Rotifera)
⢠Bärtierchen (Familie Echiniscidae)
⢠Fadenwßrmern (Nematoda)
⢠vielen Insekten, zum Beispiel Blattläusen, einigen RĂźsselkäfern, einigen Gespenstschrecken, der GroĂen Sägeschrecke
⢠den meisten Fransenflßglern und Hautflßglern, bei denen aus unbefruchteten (haploiden) Eiern Männchen entstehen, aus befruchteten jeweils Weibchen; zu letzteren zählt auch die Honigbiene, bei der ebenfalls die männlichen Tiere (Drohnen) dadurch entstehen, dass die KÜnigin unbefruchtete Eier legt
⢠Gallmßcken der Gattungen Miastor, Heteropeza und Henria sowie bei dem Käfer Micromalthus debilis im Rahmen einer Pädogenese (Neotenie, Geschlechtsreife im Jugendstadium)
⢠einigen Spinnentieren, darunter:
⢠sehr vielen Milbenartencite-ref-4[4]
⢠einigen weiteren Spinnentieren, zum Beispiel bei Skorpionen der Familie Buthidae (Tityus serrulatus, Hottentotta h. hottentotta)
⢠fĂźnf Haiarten: WeiĂgepunkteter Bambushai,cite-ref-5[5] Schaufelnasen-Hammerhai,cite-ref-6[6] Kleiner Schwarzspitzenhai,cite-ref-7[7] Kalifornischer Schwellhai,cite-ref-8[8] Zebrahaicite-ref-9[9]
⢠Echsen, zum Beispiel bei dem australischen Gecko Heteronotia binoei,cite-ref-11[11] dem Komodowarancite-ref-12[12] und dem Jungferngecko
⢠vier Schlangenarten: Wassermokassinotter, Nordamerikanischer Kupferkopf,cite-ref-13[13] Blumentopfschlange (als Regelfall), Dunkler Tigerpython (als Ausnahme)cite-ref-groot-14-0[14]
⢠in Ausnahmefällen beim Spitzkrokodilcite-ref-fp-crocodylus-15-0[15]
⢠einigen VÜgeln, zum Beispiel bei Kalifornienkondorencite-ref-16[16] und Truthßhnern,cite-ref-17[17] obwohl es auch bei VÜgeln vereinzelt genomische Prägung gibt
Formen der Parthenogenese
Obligatorische und fakultative Parthenogenese
Bei der Parthenogenese unterscheidet man zwischen obligatorischer und fakultativer Form. Im Gegensatz zur obligatorischen Parthenogenese gibt es bei der fakultativen Parthenogenese Arten, bei denen sowohl ein- als auch zweigeschlechtliche Populationen bekannt sind (Skorpione, Blattläuse, Gallwespen). Dabei treten alle Ăbergänge zu normal zweigeschlechtlichen Arten auf: Männchen kĂśnnen etwas seltener sein als Weibchen, ihre Zahl kann sehr gering sein, oder sie treten eventuell nur noch in Ausnahmesituationen Ăźberhaupt auf. Wechseln sich bei einer Art parthenogenetisch erzeugte und sexuell erzeugte Generationen regelmäĂig ab, spricht man von Heterogonie. Beispielsweise bei Blattläusen gehen aus einer von einem Männchen und einem Weibchen sexuell gezeugten Generation nur Weibchen hervor. Ursache hierfĂźr ist die nicht-zufällige Segregation der Geschlechtschromosomen X und O bei der Spermatogenese.cite-ref-18[18] Diese Weibchen kĂśnnen sich ohne Zutun männlicher Gameten fortpflanzen.
thelytokie
Thelytokie: Weibchen als Nachwuchs
Im Regelfall werden bei der parthenogenetischen Fortpflanzung keine asexuellen Individuen erzeugt, sondern Weibchen mit allen Ăźblichen anatomischen und zytologischen Kennzeichen dieses Geschlechts, die in der Regel nicht ohne weiteres von Weibchen getrenntgeschlechtlicher Arten oder Populationen mit Ăźblicher (diplodiploider) Befruchtung unterschieden werden kĂśnnen. Diese verbreitetste Form der Parthenogenese wird auch Thelytokie genannt (von altgriech. thelys = âweiblichâ und tokos = âGeburtâ; Name nach Carl von Siebold). In seltenen Fällen paaren sich diese Weibchen mit Männchen nahverwandter Formen, ohne dass das männliche Genom weitergegeben wĂźrde (âPseudogamieâ), in der Regel unterbleibt aber die Paarung. DarĂźber hinaus unterscheidet man zwischen:
Automiktische Parthenogenese
Bei der automiktischen Parthenogenese, auch Automixis genannt, erfolgt die Reduktionsteilung der Meiose ganz normal. AnschlieĂend werden die Kerne jedoch nicht auf Tochterzellen verteilt, sondern es verschmelzen jeweils zwei Kerne sofort wieder. Dadurch wird der alte diploide Zustand wiederhergestellt, und es entstehen weibliche Individuen. Männchen kĂśnnen bei diesen Arten durch Elimination eines X-Chromosomensatzes erzeugt werden, die aber vielfach auch unterbleiben kann. (SchmetterlingsmĂźcken, Mottenschildläuse)
Apomiktische Parthenogenese
Bei der apomiktischen Parthenogenese erfolgt in der Oozyte keine Reduktionsteilung (Meiose), die Eizellen werden durch mitotische Teilung erzeugt. Die Nachkommen haben alle den gleichen Chromosomensatz wie die Mutter. Hiervon gibt es folgende Varianten:
⢠Reifungsteilungen fallen vÜllig aus (Cynipidae)
⢠Reduktionsteilung unterbleibt (Aphididae)
⢠Beide Reifungsteilungen sind Ăquatorialteilungen (Phasmatodea, Blattodea)
Parthenogenese durch Infektion mit Wolbachia
Bakterien der Gattung Wolbachia, die in Geschlechtszellen ihrer Wirte leben, sind bekannt dafĂźr, dass sie die Geschlechtsbestimmung des Nachwuchses massiv manipulieren kĂśnnen. Bei zahlreichen Arten wurde beobachtet, dass mit Wolbachia infizierte Arten oder Populationen ausschlieĂlich parthenogenetische Weibchen erzeugen. Mechanismus der Verweiblichung ist die (asexuelle) Verdoppelung des Genoms, durch die bei haplodiploidem Erbgang Weibchen resultieren. Bei einigen parthenogenetischen RĂźsselkäfer-Arten entstehen so triploide Weibchen. Infektion mit Wolbachia ist kein exotisches Ausnahmephänomen. Es wird vermutet, dass ein groĂer Anteil (mĂśglicherweise bis zu drei Viertel) der Insekten und ein bisher kaum abschätzbarer Anteil anderer Arthropoden mit Wolbachia infiziert sind.
arrhenotokie
Arrhenotokie: Weibchen oder Männchen je nach Befruchtung
Bei der Arrhenotokie erzeugen Weibchen auf Ăźblichem Wege (Ăźber Meiose) Eizellen und Eier. Aus unbefruchteten Eiern entwickeln sich haploide Männchen, aus befruchteten Eiern werden diploide Weibchen. Dies tritt unter den Insekten z. B. bei FransenflĂźglern, Pflanzenläusen, besonders aber bei HautflĂźglern auf, typisches Beispiel sind die Honigbienen, deren Drohnen durch diese Form der Parthenogenese entstehen. Die somatischen Zellen der so erzeugten Männchen bleiben in der Regel haploid. Bei den meisten HautflĂźglern kĂśnnen gewisse Zellen oder Zelllinien aber durch Polyploidie wieder den diploiden Chromosomensatz erwerben, so sind Zellen im Darm- und Muskelgewebe oder der Malpighischen GefäĂe bei fast allen HautflĂźglern (einschlieĂlich der Honigbiene) diplo- oder sogar polyploid.cite-ref-19[19] Gelegentlich kommen sogar diploide Spermien vor. Eine seltenere Form der Arrhenotokie ist dadurch gekennzeichnet, dass zunächst Männchen auf Ăźblichem Wege und mit diploidem Genom erzeugt werden. Nach der Befruchtung wird aber das väterliche Genom eliminiert und nur das mĂźtterliche weitergegeben.cite-ref-20[20] BezĂźglich der Transmission von Genen besteht kein Unterschied zum haplodiploiden Erbgang. Diese Form der Arrhenotokie ist vor allem bei Schildläusen untersucht worden.
amphitokie
Amphitokie: Weibchen und Männchen als Nachwuchs
Bei der amphitoken oder gemischten Parthenogenese entstehen aus unbefruchteten Eiern sowohl (diploide) Weibchen als auch (haploide) Männchen. Amphitokie ist sehr selten, sie wurde vor allem bei einigen Erzwespen-Arten beobachtet.
Abgrenzung
Die Zeugung von Jungtieren ohne anwesenden männlichen Geschlechtspartner kann auch durch die Speicherung von Spermien im weiblichen KÜrper in einem Receptaculum seminis geschehen, oder eine Geburt erfolgt zeitlich sehr viel später nach einer Keimruhe. In solchen Zweifelsfällen kann oftmals nur ein genetischer Vergleich zwischen Muttertier und Nachkommen eine tatsächliche Parthenogenese nachweisen.
Literatur
⢠Alexix L Sperling, David M Glover: Parthenogenesis in dipterans: A genetic perspective. In: Proc R Soc B 290, 2023: 0261. PDF.
⢠Hans Winkler: Verbreitung und Ursache der Parthenogenesis im Pflanzen- und Tierreiche. Fischer, Jena 1920.
Siehe auch
⢠Gynogenese
⢠Monogenie
⢠Pseudogamie
⢠Ungeschlechtliche Vermehrung (Fortpflanzung, aus der genetische Klone hervorgehen)
⢠Vermehrung
Weblinks
⢠Gewinnung von embryonalen Stammzellen durch Parthenogenese in Telepolis
⢠Reproduktion? â das tuâ ich halt selbst: Artikel auf der Website vom Weizmann-Institut fĂźr Wissenschaften.
Einzelnachweise
cite-note-22. â Paul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Ăbersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/GĂśttingen/Heidelberg 1960, S. 47.
cite-note-33. â Ben Turner: A Single Bee Is Creating an Army of Clones Bent on Wiping Out Another Bee Species, auf: sciencealert vom 25. Juni 2021. Quelle: LiveScience
cite-note-44. â Fortpflanzung. Hornmilben - es geht auch ohne Sex von Veronika Bräse, BR, am 11. Februar 2025 auf tagesschau.de
cite-note-55. â Jungfernzeugung: Haie kĂśnnen sich auch ohne Männchen fortpflanzen Spektrum.de
cite-note-77. â Demian D. Chapman u. a.: Parthenogenesis in a large-bodied requiem shark, the blacktip Carcharhinus limbatus Parthenogenesis in a large-bodied requiem shark, the blacktip Carcharhinus limbatus. In: Journal of Fish Biology. Oxford 73.2008, 6, S. 1473â1477. doi:10.1111/j.1095-8649.2008.02018.x ISSN 0022-1112 Wie der Haifisch zum Kinde kommt. In: wissenschaft.de. 10. Oktober 2008, abgerufen am 8. September 2019.
cite-note-88. â Zoo Leipzig gelingt europaweit einzigartiger Zuchterfolg bei Haien (Memento vom 22. Februar 2014 im Internet Archive) Sächsische Zeitung
cite-note-99. â Switch from sexual to parthenogenetic reproduction in a zebra shark (Christine L. Dudgeon, Laura Coulton, Ren Bone, Jennifer R. Ovenden & Severine Thomas) verĂśffentlicht 16. Januar 2017 (engl.)
cite-note-1010. â Jungferngeburten" bei Sägefischen scinexx.de
cite-note-1111. â C. Moritz (1983): Parthenogenesis in the Endemic Australian Lizard Heteronotia binoei (Gekkonidae). Science 220 (4598): 735-737. doi:10.1126/science.220.4598.735
cite-note-1313. â Schlangen: Jungfernzeugung passiert auch in freier Wildbahn Spiegel Online
cite-note-groot-1414. â T. V. M. Groot, E. Bruins, J. A. J. Breeuwer: Molecular genetic evidence for parthenogenesis in the Burmese python, Python molurus bivittatus. Heredity Band 90, 2003, S. 130â135.
cite-note-fp-crocodylus-1515. â Warren Booth, Brenna A. Levine, Joel B. Corush, Mark A. Davis, Quetzal Dwyer, Roel De Plecker & Gordon W. Schuett (2023) Discovery of facultative parthenogenesis in a new world crocodile. doi:10.1098/rsbl.2023.0129.
cite-note-1616. â CondorParthenogenesis.auf der Webseite des San Diego Zoos, abgerufen am 2. November 2021
cite-note-1717. â M. W. Olsen: Avian parthenogenesis. USDA publication, Agricultural Research Service, ARS-NE 65, Beltsville (MD) 1975, S. 1â82. K. E. Nestor (2009): The Tremendous Turkey. Parthenogenesis in turkeys. (Memento vom 14. Juli 2010 im Internet Archive) The Ohio State University (Website-Kopie des Internet Archive) KĂśnnen sich TruthĂźhner per Jungfernzeugung fortpflanzen? zeit.de
cite-note-1818. â Hermann Schwartz: Der Chromosomenzyklus von Tetraneura ulmi DE GEER. In: Zeitschrift fĂźr Zellforschung und Mikroskopische Anatomie. Band 15, 1932, S. 645â687.
cite-note-2020. â G. Herrick & J. Seger (1999): Imprinting and paternal genome elimination in insects. In: R. Ohlsson (editor): Genomic imprinting: An interdisciplinary approach. Springer, S. 41â71.